Wenn am 6. Januar wieder königliche Gewänder durch Schondra ziehen, dann steckt dahinter mehr als ein schöner Brauch. Frieda ist zum zweiten Mal als Sternsinger dabei, ihr Bruder Anton sowie die Zwillinge Charlotte und Philipp machen bereits zum vierten Mal mit. Gemeinsam mit zwölf weiteren Kindern bringen sie den Segen von Weihnachten in die Häuser des Dorfes – und setzen sich gleichzeitig für benachteiligte Kinder weltweit ein.
Die Sternsingeraktion ist die weltweit größte solidarische Aktion von Kindern für Kinder. Organisiert wird sie vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ in Zusammenarbeit mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Ihre Wurzeln reichen weit zurück: Schon im 16. Jahrhundert entstand der katholische Brauch, den Segen der Heiligen Nacht von der Krippe in die heimischen Häuser zu bringen. Seit 1959 ist dieser Brauch mit der Spendenaktion „Die Sternsinger“ verbunden. In dieser Zeit kamen insgesamt beeindruckende 1,4 Milliarden Euro an Spenden zusammen.
Die Aktion findet ausschließlich in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie in Teilen Südtirols und Friauls statt. Allein im Jahr 2025 wurden dabei 48.060.189,51 Euro gesammelt. Über 7.328 Pfarrgemeinden und katholische Einrichtungen beteiligten sich – ein starkes Zeichen für gelebte Solidarität.
Auch in Schondra ist die Sternsingeraktion fest im Gemeindeleben verankert. Frieda, Anton, Philipp und Charlotte ziehen am 6. Januar 2026 zusammen mit den anderen Sternsingern von Haus zu Haus, bringen den Segen für das neue Jahr und sammeln Spenden. Gut vorbereitet gehen die Kinder auf ihren Weg: Beim Vorbereitungstreffen informierten sie sich intensiv über das diesjährige Thema der Aktion, das sich mit Kinderarbeit beschäftigt.
„Schule statt Fabrik“ lautet das Motto, das auf dem Aktionsplakat zu sehen ist – gemeinsam mit der zwölfjährigen Nour aus Bangladesch, die ein Schulbuch in den Händen hält. Willi Weitzel, bekannt aus der Sendung „Willi wills wissen“, hat Nour und andere Kinder in Bangladesch besucht und ihre Lebensumstände in einem Film dokumentiert. Nour berichtet darin, wie sie jahrelang in einer Suppenküche ohne Schutzkleidung heiße Asche aus Öfen holen musste. Erst durch Spendengelder konnten Bildungsprojekte für arbeitende Kinder finanziert werden, sodass Nour heute zur Schule gehen kann.
Diesen Film, „Willi in Bangladesch“, schauten die Schondraer Sternsinger gemeinsam mit Diakon Horst Conze an und sprachen anschließend über die Situation arbeitender Kinder. Das motiviert. „Ich mache in diesem Jahr wieder mit, weil ich durch die gesammelten Gelder anderen Kindern helfen kann“, erzählt Philipp. Als König trägt er stets ein blaues Tuch seiner Großtante aus Kenia bei sich. „Das erinnert mich daran, dass wir mit den Kindern in Afrika und überall in der Welt verbunden sind.“ Die neunjährige Frieda ergänzt lachend: „Sternsingern macht voll Spaß! Man hilft den Kindern und bekommt auch Süßigkeiten von den Leuten!“
Auch aus den vergangenen Jahren haben die Kinder viele Eindrücke mitgenommen. „Besonders die älteren Leute freuen sich, wenn wir kommen und den Segen für das neue Jahr bringen“, berichtet Charlotte. Anton erinnert sich an die große Hilfsbereitschaft im Dorf: „Als unser Weihrauchfass ausgegangen ist, haben wir bei einer Familie neue Glut aus dem Kachelofen bekommen. Oder es gibt bei kaltem Wetter mal einen Kakao oder Tee. Das ist echt super!“
Möglich wird die Aktion nur durch das Engagement vieler Eltern. Am 6. Januar treffen sich die Sternsinger im Pfarrheim, wo sie von mehreren Müttern in ihre königlichen Gewänder gekleidet werden. Um 10 Uhr beginnt die Wortgottesfeier in der Schondraer Pfarrkirche mit der feierlichen Aussendung der Sternsinger. Anschließend verteilen sich vier Gruppen im Dorf. In Schondra wird dabei nicht nur ein Segensspruch aufgesagt, sondern auch gesungen und der Segen für 2026 ausgesprochen. Der Segensaufkleber 20*C+M+B+26 – „Christus mansionem benedicat“, Christus segne dieses Haus – wird an die Türen geklebt oder mit Kreide angebracht. Zwischendurch gibt es Mittagessen bei einer der Mütter der Sternsinger. Da wird richtig zugelangt, denn Sternsingen macht Hunger!!
Die Sternsinger sammeln ausschließlich Spenden für die Sternsingeraktion und nehmen kein Geld für sich selbst an. Über Süßigkeiten oder einen warmen Tee oder Kakao freuen sie sich dennoch. In diesem Jahr sind in Schondra ausreichend Sternsinger unterwegs, sodass jedes Haus besucht werden kann.
Mitte Januar treffen sich alle Sternsinger aus Schondra, Singenrain und Schönderling zu einem gemeinsamen Nachtreffen im Pfarrheim. Als kleines Dankeschön gibt es eine Urkunde mit Gruppenfoto. Und Frieda, Anton, Philipp und Charlotte sind sich jetzt schon sicher: „Es hat Spaß gemacht – und wir konnten anderen Kindern helfen.“
Horst Conze, Diakon


